Erfahrungebericht Yeats - Susanne Knauer
Susanne Knauer nahm vom 28. Juli bis 10. August 2001 an der Yeats Summer School in Sligo teil. Ihre Erfahrungen hat sie im Folgenden zusammengefasst:
Eine Summer School Veranstaltung über W. B. Yeats in Sligo? Ein Blick in den Atlas bzw. in eine englische Literaturgeschichte belehrten mich, dass Sligo an der Westküste Irlands liegt und William Butler Yeats (1865-1939) ein bedeutender Dichter und Dramatiker der keltischen Renaissance des späten 19. Jahrhunderts war.
Dank der großzügigen Vergabe von zwei Stipendien konnten mein Kommilitone Stephan Klemt und ich im Sommer 2001 an dieser Sommerakademie, die jedes Jahr Anfang August stattfindet, teilnehmen und bald würden wir noch sehr viel mehr damit zu verbinden wissen.
Am Sonntag, dem 29.7., wurde die 42. Yeats Summer School von Michael Yeats, dem inzwischen über 80-jährigen Sohn des Dichters, feierlich eröffnet. Anschließend besuchten die Teilnehmer, die aus den verschiedensten Ländern angereist waren, beinahe alle Altersstufen repräsentierten und sich aus völlig unterschiedlichen Motiven heraus zur Teilnahme entschlossen hatten, gemeinsam das Grab des Poeten. Am Montag begann dann das eigentliche Programm der beiden kommenden Wochen. Vormittags hörten wir jeweils zwei Vorträge zu einer ganzen Bandbreite von Themen zu W. B. Yeats und seinem Schaffen; am Nachmittag konnte man entweder in einer Seminargruppe einzelne Werke näher besprechen oder sich dem drama workshop anschließen, der am letzten Abend drei Theaterstücke von Yeats zur Aufführung brachte - eine echte Rarität, da diese nur noch sehr selten gespielt werden. Ein dichter Zeitplan, so dass alle dankbar waren für die Verschnaufpause, die das freie Wochenende bot.
Einen weiteren Höhepunkt bildete ohne Zweifel die Lesung des irischen Nobelpreisträgers Seamus Heaney. Unterteilt in Dekaden berichtete er von den wichtigen Stationen seines Lebens und ergänzte dies mit einigen zentralen Gedichten aus jedem Lebensjahrzehnt. Da ich als "non-native speaker" nur den ungefähren Inhalt der mir unbekannten Gedichte erfassen konnte, wurde meine Aufmerksamkeit stärker auf die formale Dimension gelenkt. Reim, Rhythmik, Metrik und das Spiel mit dem Klang von Wörtern verloren dennoch nichts von ihrer Wirkung, auch wenn ich den Inhalt nicht in allen Nuancen verstand. Aber ich war sicherlich nicht die einzige, die von Seamus Heaneys Erzählkunst, seiner Persönlichkeit und seinem klugen Witz beeindruckt war.
Darüberhinaus gab es für mich viele weitere Punkte, die die Yeats Summer School zu einer schönen Erfahrung werden ließen. Zum einen herrschte dort eine so überfließende Begeisterung für die Werke von W. B. Yeats, wie ich sie in Veranstaltungen an der Universität noch nicht erlebt hatte. So bestand meine Seminargruppe größtenteils aus bereits etwas älteren Iren, die schlicht aus privatem Interesse gekommen waren und uns "Angereiste" an der noch sehr lebendigen Yeats-Rezeption in Irland teilhaben ließen.
Aus den Vorträgen konnte ich leider recht wenig mitnehmen, da diese sich mit sehr detaillierten Fragestellungen beschäftigten, welche einiges an Vorwissen vorraussetzten.
Zum anderen war diese Zeit für meine Englischkenntnisse unzweifelhaft ein Intensivkurs! Nicht nur in den Veranstaltungen, auch in vielen Gesprächen mit anderen Teilnehmern stieß man auf die unterschiedlichsten Akzente und Dialekte des Englischen; so kamen viele Besucher aus europäischen Ländern, einige aber auch aus den USA, Australien oder Japan.
Diese beiden Wochen sind für mich mit einer Fülle schöner Erinnerungen an interessante Diskussionen und lustige Abende im Pub verbunden, und künftig werde ich mit Sicherheit keine Nachschlagewerke mehr zu Rate ziehen müssen, wenn die Stichworte "W. B. Yeats" und "Sligo" fallen.
Seite zuletzt aktualisiert am 05.11.2010