Erfahrungebericht Limerick
Ein Student verbrachte das Studienjahr 2003/2004 an der University of Limerick. Seine Erfahrungen hat er im Folgenden zusammengefasst:
Ich erfuhr von der Möglichkeit, ein Semester an der University of Limerick in Irland zu studieren, vom Erasmus - Koordinator der anglistischen Fakultät der FAU. Ich hatte mich vorab im Internet informiert, welche Universitäten für meine Fächerkombination Englisch/Wirtschaft interessant wären und entschied mich schon in meiner Bewerbung für die University of Limerick, da sie besonders auch in wirtschafts-wissenschaftlichen Kursen ein großes Angebot hatte. Der Aufenthalt in Limerick war von Anfang an gut organisiert, weniger von Seiten der FAU, sondern von Seiten der Gastuniversität, die viel Informationsmaterial zur Verfügung stellte (sogar vorab per Post ein Informationspaket zusandte) sowie - für mich besonders hilfreich - eine Einführungsveranstaltung in der Woche vor Semesterbeginn anbot.
In dieser zweitägigen Veranstaltung erfuhren alle internationalen Studenten von den Möglichkeiten, die die University of Limerick bot und bekamen Ínformationen und Tipps zur Kursbelegung und Stundenplangestaltung. Es wurde geraten, zwischen drei und fünf Module zu besuchen, die jeweils aus Vorlesung(en) und Tutorium bestanden. Da ich keinerlei Vorgaben meiner Heimatuniversität bekommen hatte, konnte ich mir vier Module aussuchen, die ich allerdings mit meinem Koordinator abgesprochen hatte. Wie bereits erwähnt, ist die Beratung und Betreuung an der University of Limerick für internationale Studenten sehr gut, und so bekam jeder Student einen Koordinator vor Ort zugewiesen, der wiederum als Ansprechpartner diente. Als Erasmus-Student hat man die Möglichkeit, zwischen vielen Modulen zu wählen, sie müssen auch nicht alle den gleichen Schwierigkeitsgrad haben, es besteht also die Möglichkeit, sowohl zum Beispiel einen first year- als auch einen fourth year- Kurs zu belegen.
Ich machte die Erfahrung, dass das Niveau allgemein etwas niedriger ist als an deutschen Universitäten und man deshalb auch nicht davor zurückschrecken sollte, einen Kurs zu belegen, der dem eigenen Studienfortschritt noch nicht entspricht. Wie sich herausstellte haben die Erasmus-Studenten im Durchschnitt sogar besser abgeschnitten als die irischen Studenten. Als Erasmus-Student ist man sehr gut integriert in den "normalen" Kursablauf und genießt manchmal sogar kleine Vorteile; so nimmt sich der Dozent vielleicht etwas Zeit am Ende der Vorlesung für eventuell auftretende Fragen oder Unklarheiten oder schickt das Skript schon mal per E-Mail ausnahmslos an Erasmus-Leute. Meiner Meinung nach ist auch das System der Vorlesung kombiniert mit dem Tutorium sehr gut, in welchem der Kontakt zwischen fachlicher Hilfskraft und Student sogar noch besser ist.
Die University of Limerick ist eine Campus-Universität, das heißt, jegliches studentische Leben spielt sich auf diesem Areal ab. Ich empfand die räumlichen Gegebenheiten als sehr ansprechend, denn obwohl man, um von einem Gebäude zum anderen zu gelangen, schon mal einige Zeit einplanen muss, ist die Campus-Atmosphäre eine ganz besondere. Was die Ausstattung der Universität betrifft, so war ich angenehm überrascht, eine große language ressource area vorzufinden oder auch viele computer labs, die teilweise sogar 24 Stunden geöffnet sind. Die Bibliothek ist nicht so groß und gut bestückt, wie wir es von der Universitätsbibliothek in Erlangen kennen, doch meinen Ansprüchen (während eines Semesters) genügte sie völlig. Besonders ansprechend fand ich die vielen Terminals zum Lernen, die dort zu finden sind. An der University of Limerick wird ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten, das hauptsächlich von den unzähligen clubs and societies getragen wird. Da ist sicher für jede Interessensgruppe etwas dabei, wobei sich die Klubs nicht nur auf Sportarten beschränken, sondern zum Beispiel auch eine international society existiert, die Feiern und Ausfüge organisiert und die für den Kontakt zwischen den internationalen Studenten sorgt.
Empfehlenswert ist die sports arena, die noch jung ist und für Studenten einen ermäßigten Preis hat, Benutzung des gym, des pools und der Außenanlagen inklusive. Ich machte die Erfahrung, dass die Erasmus-Studenten hauptsächlich unter sich blieben, also kein großer Kontakt zu den irischen Studenten stattgefunden hat (der Kontakt in den Vorlesungen und beim Sport ist eher oberflächlich). Das liegt meiner Meinung nach vor allem am Altersunterschied, denn die irischen Studenten sind im Durchschnitt um einiges jünger. Allerdings war der Kontakt zwischen Iren und Erasmus-Studenten nicht gleich Null, schließlich gibt es die Möglichkeit, in einem der drei Studentendörfer auf dem Campus unterzukommen. Preislich sind sie vergleichbar mit anderen Unterkünften (Zimmern in Wohngemeinschaften), empfehlenswert deshalb, weil sie von der Universität vermittelt werden und man sich kaum kümmern muss (um Nachmieter oder ähnliches).
Da die Iren ein offenes und freundliches Volk sind, ist es aber leicht, außerhalb der Universität Kontakte zu knüpfen. In Limerick gibt es viele Pubs und Klubs, die einen Besuch wert sind. Tipps dazu erhält man aber meistens auch von den irischen Mitbewohnern. Was mich etwas erschreckt hat, sind die hohen Lebenshaltungskosten. Angefangen mit der Miete (ob privat untergebracht oder auf dem Campus), den Lebensmittelpreisen bis hin zu den Preisen fürs Weggehen, man muss auf jeden Fall mit höheren Ausgaben rechnen als in Deutschland. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man ja Gast in Irland ist und das Land erkunden will. Das würde ich auf jeden Fall empfehlen denn in der Umgebung von Limerick gibt es viele interessante Sehenswürdigkeiten. Limericks zentrale Lage macht es zu einem optimalen Startpunkt für Unternehmungen, Galway ist nur zwei Stunden entfernt, genauso Cork und Dublin. Die Cliffs of Moher sind immer einen Besuch wert, oder die Region um den Shannon, der Burren, die Aran Islands ... Die Liste ist lang und es sind immer Leute da, mit denen man sich einen Mietwagen teilen kann oder die Lust haben auf eine Bustour (buséireann fährt von Limerick und ist relativ günstig).
Insgesamt war für mich der Studienaufenthalt an der University of Limerick sehr bereichernd, insbesondere fand ich es interessant, die irische Kultur und deren Leute kennen zu lernen. Außerdem genoss ich das etwas andere System des Studiums, Uni machte mir Spaß. Das lag bestimmt auch an der besonderen Atmosphäre, die sich durch den Campus ergab (trotz des manchmal miesen und deprimierenden Wetters).
Seite zuletzt aktualisiert am 05.11.2010