Erfahrungebericht Letterkenny - Claudia Czegley & Elke Scharrer

Claudia Czegley und Elke Scharrer verbrachte das Studienjahr 2003/2004 am Institute of Technology in Letterkenny. Ihre Erfahrungen haben sie im Folgenden zusammengefasst:

Es gibt viele gute Erfahrungen zu berichten von unserem Auslandssemester in Irland. Eigentlich war Letterkenny, im County Donegal in der Republik Irland gelegen, nicht die erste Wahl für unseren Studienaufenthalt in Irland gewesen. Für uns als Lehramtsstudentinnen für Realschule mit den Hauptfächern Englisch / Religion bzw. Englisch / Kunst schien beim Kursangebot des Institute of Technology in Letterkenny (LYIT) nichts Geeignetes dabei zu sein. Da es uns aber vor allem um die Vertiefung der Sprachkenntnisse und den Spaß an der Sache ankam, nahmen wir schließlich den Studienplatz an und meldeten uns im ersten Jahr Grafikdesign an. Von einer Mitstudentin, die 2 Jahre vor uns am selben Ort war, haben wir uns vorab wertvolle Informationen zu allen möglichen Alltagsthemen geholt. Gut war es auch, dass wir noch vor dem Reiseantritt mit der Student Union des LYIT Kontakt aufgenommen haben und uns so ein Platz in einer WG vermittelt wurde. Uns wurden vor dem Abflug nicht viele Informationen über die Wohnung gegeben, wir wussten nur, dass wir mit 2 Finninnen und 1-2 Amerikanern zusammenleben sollten. Also gingen wir von einer 5-6er WG aus.
Als wir dann nach unserem Flug von Frankfurt nach Dublin und weiteren viereinhalb Stunden Busfahrt von Dublin nach Letterkenny am Busbahnhof von unserem Landlord abgeholt wurden, erfuhren wir zum ersten Mal, dass wir unsere Zeit in einer WG mit 9 Leuten verbringen sollten. Was uns anfangs etwas anstrengend vorkam, entpuppte sich aber als großer Spaß. In der Gegend, in der sich unser Haus befand, Elmwood Downs, waren nämlich die meisten der internationalen Studenten untergebracht. So lebten in unserer Doppelhaushälfte 2 Finninnen, 2 Amerikaner, 2 Spanier, 1 Österreicher und wir 2 Deutsche, in der anderen Hälfte des Hauses 1 Chinese, 2 Spanierinnen und noch 6 weitere Deutsche. In anderen Häusern in dem Wohngebiet kamen noch viele Studenten aus anderen Nationen dazu. Von Einsamkeit konnte also keine Rede sein. Die Türen standen immer offen und deshalb hatte man ständig Ansprache.

Jeden Morgen machte sich also eine größere Gruppe von Studenten auf den dreißigminütigen Fußweg zum College. Nach einer Weile machte uns auch diese Entfernung nicht mehr all zu viel aus. Im LYIT selbst kümmerte man sich sehr gut um uns. Überhaupt steht man den Studenten viel mehr zur Seite als wir das von Deutschland gewohnt sind. Jeder Dozent versicherte uns, dass wir uns auch nicht scheuen sollten, uns bei Problemen jeder Art an sie zu wenden. Diese Fürsorge rührt wahrscheinlich daher, dass der durchschnittliche irische Studienanfänger 17-18 Jahre alt ist und daher noch etwas mehr Zuwendung braucht. Im Gegensatz zu den meisten internationalen Studenten, die fast ausschließlich Business studierten, waren wir in Grafikdesign kleine Klassen mit recht engem Kontakt zu Lehrern und, als einzige Deutsche unter lauter Iren, auch zu unseren Klassenkameraden. Vom Studienniveau her war doch alles sehr einfach. Unsere Arbeit beschränkte sich hauptsächlich auf Projektarbeit, die in der Unterrichtszeit erledigt werden konnte. Und weil Prüfungen in Grafikdesign erst am Ende des ersten Jahres stattfinden, wir aber nur bis Weihnachten blieben, hatten wir im Gegensatz zu den Business-Studenten recht wenig Lernstress.

Somit blieb uns ausreichend Zeit, uns auf Freizeitaktivitäten zu konzentrieren. Vom College aus wurden sehr viele Ausflüge angeboten, an denen auch die meisten internationalen Studenten teilnahmen, z.B. 2 Tage Galway mit Cliffs of Moher, 3 Tage Dublin, Belfast, Glen-veagh National Park, etc. Neben den organisierten Fahrten, die meist am Wochenende stattfanden, machten sich die meisten Studenten auch noch unabhängig zur Erkundung der Insel auf. Wir haben sogar die Gelegenheit wahrgenommen und sind recht günstig von Belfast mit der Fähre nach Schottland übergesetzt, um uns ein wenig Edinburgh und die Highlands anzusehen. Diese Ausflüge waren eigentlich immer die Höhepunkte, die auch die Gruppe der Studenten sehr eng zusammengeschweißt haben.

Auch unter der Woche waren wir oft unterwegs. Letterkenny ist zwar ein kleines Städtchen, 17000 Einwohner, davon sind ca. 2000 Studenten, die Pubdichte ist allerdings wesentlich höher als in den meisten deutschen Städten. So verbrachten wir bei Livemusik, Guinness und Cider viele schöne und lustige Abende. Für Tanzwütige war ein ausreichendes Angebot an Diskos und Clubs vorhanden, so dass keine Langeweile aufkam. Darüber wurde es die Regel, dass die internationalen Studenten im Wechsel Hausparties veranstalteten und alle eingeladen waren. Diese Feiern fanden wöchentlich statt und gingen meist bis zum Morgengrauen. Wer also denkt, man könnte in einem Städtchen wie Letterkenny keinen Spaß haben, irrt sich gewaltig!

Das Preisniveau ist um 1/3 höher als in Deutschland, deswegen waren die internationalen Studenten immer auf Schnäppchenjagd und auf unseren Aldi und Lidl musste auch nicht verzichtet werden. Da es keine Öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt gibt, haben wir uns einmal in der Woche mit anderen Studenten zusammen getan und unsere Lebensmittel mit dem Taxi nach Hause gefahren. So musste jeder nur einen Euro zahlen. Die Ausflüge, die vom College organisiert wurden, waren zum Glück sehr günstig, somit konnte man für kleines Geld viele schöne Orte sehen.
Die verschiedenen Societies bieten viele Möglichkeiten aktiv zu sein: Hill Walking, Surfing, Kajak, Segeln, Basketball und vieles mehr. Im Ortszentrum gibt es auch ein Leisure Center. Das Kino liegt am anderen Ende der Stadt, aber da es Studentenpreise gibt, lohnt sich der Weg.

Ein wenig schade war es, dass außer uns noch 40 andere deutsche Studenten in Letterkenny studierten und man daher oft dazu verleitet wurde, deutsch zu sprechen. Leider blieben auch einige unter sich, die somit ihre Sprachkenntnisse nicht sehr verbessern konnten. Am meisten waren wir aber von den Sprachkenntnissen der Spanier und Franzosen geschockt. Am Ende des Aufenthalts war ein spanischer Mitbewohner fähig, einen einzigen vollständigen Satz zu sagen!

Wie schon erwähnt wohnten wir mit 9 Leuten aus 5 verschiedenen Ländern in einem Haus. Als ein schönes Ritual wurde eingeführt, dass jede Nation für die anderen im Haus eine typische Speise für ihr Land kochen sollte. Es war wirklich sehr interessant so viele verschiedene Kulturen kennen zu lernen. Nur mit der Sauberkeit gab es kleine Meinungsverschiedenheiten, denn wenn eine Küche von 9 Leuten genutzt wird, bleiben schon mal Töpfe eine ganze Zeit lang stehen und keiner will es gewesen sein. Aber wenn solche Erlebnisse nicht dazu beitragen, dass man lernt, Kompromisse zu finden und gut miteinander auszukommen, dann weiß ich auch nicht!

An Halloween wurden 2 Busse für uns Studenten gechartert und wir sind alle nach Derry in Nordirland gefahren. Dort tummelten sich 30 000 Menschen und alle waren verkleidet. Natürlich auch wir. Wir hatten schon großen Spaß beim Zurechtmachen, aber wir kamen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, denn es gab so viele kreative Kostüme.
Von Heimweh waren wir nicht geplagt, aber die Südeuropäer hatten schwer damit zu kämpfen, dass sie ihre Familie so lange nicht sehen konnten. Vielleicht war es für sie auch schwerer, denn das Wetter ist ja nicht das Allerbeste in Irland, wobei man sagen muss, dass wir erwartet hätten, dass es noch mehr regnen würde. Als wir im September ankamen, war es noch angenehm warm und bis Weihnachten fiel die Temperatur bis auf 2 Grad. Aber es gefriert in Irland höchst selten, womit erklärt wäre, warum in vielen Vorgärten Palmen zu finden sind. Wir waren auch sehr überrascht, so schöne Strände in Irland vorzufinden. Und das Vorurteil mit dem Schafen stimmt wirklich: So viele Schafe werde ich wahrscheinlich nicht mehr in meinem Leben sehen. Als Abschiedsessen kochten 2 irische Mitstudentinnen für uns Irish Stew und Christmas Pudding. Das war richtig lecker.

Diese Erlebnisse waren wirklich einzigartig und es sind Freundschaften fürs Leben entstanden und der nächste Besuch auf der Grünen Insel ist sicher und das sollte jeder Mal erleben!

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Seite zuletzt aktualisiert am 05.11.2010
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